Raum füllen mit Bewegung: Alexandra Weise erinnert sich an ihre Zeit in der Rhythmischen Sportgymnastik und beschreibt, was Training ihr persönlich gegeben hat.
Rhythmische Sportgymnastik und der eigene Lebensraum
Es ist lange her, da stand ich beinahe täglich als unschuldiges junges Mädchen auf einer 12×12 Meter großen Matte in diversen Turnhallen. Ich war Gymnastin der Rhythmischen Sportgymnastik. Mit viel Fleiß, Spaß an der Bewegung und Ehrgeiz habe ich es bis in die Nationalmannschaft in der Gruppengymnastik geschafft. Von 1994 bis 1996 war ich deshalb aus dem Elternhaus ausgezogen und habe am Olympiastützpunkt Bochum-Wattenscheid trainiert.
Bewegung und Wohlbefinden
Etwas täglich tun, dass einem richtig Spaß macht kann so heilsam sein. Das ist mir damals nicht bewusst gewesen, aber schon damals habe ich ab und an gemerkt, wenn es mir nicht so gut ging, wenn ich traurig war oder missmutig und ich mich innerlich leicht gemacht habe und einfach alles genau wie sonst getan habe, dass es mir anschließend – meist nach einem 3-stündigen Training – besser ging. 3 Stunden Training pro Tag ist viel Zeit, aber der Spaß an der Sache hat so viele Male geholfen mich hineinzubringen in eine wichtigere Stimmung als die, die ich zunächst mitgebracht hatte.
Wie oft konnte ich meinen Lebensraum auf diese Weise mit Positivem füllen! Wie sagt McDonalds so schön?! “Hm, ich liebe es!” Ja, und McDonalds, Nestlé, Milka & Co haben mir dann jedoch den Rücktrittsschein besorgt; zu viel genascht und keinen gesunden Malzeitenrhythmus waren mein Verhängnis und die erturnte Teinmahmekarte an der ersten Olympiade für Gruppengymnastik in Atlanta habe ich abgegeben, an andere Mädchen, die nicht viel dafür gekämpft und gelitten hatten. So ist das Positive, Raumfüllen des Sich-Bewegens nicht automatisch Garantie für vernünftiges Handeln an jeder Stelle des jungen Lebens.

1999
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

